TVP chancenlos gegen bärenstarke Oberurseler

Petterweil verliert Spitzenspiel 26:30 und kassiert erste Heimniederlage der Saison - Ruppert und Thorsten Koch die Ausnahmen

Stehen sonntags Heimspiele des TV Petterweil auf dem Programm, dann bricht im Karbener Stadtteil in aller Regel das Handball-Fieber aus, und in der Sporthalle an der Sauerbornstrasse herrscht ausgelassene Party-Stimmung. Gestern, am frühen Abend, war’s mal wieder so weit, wobei die begleitenden Faktoren zusätzlichen Nervenkitzel versprachen. Zum Duell traten an: Auf der einen Seite die Mannschaft von Petterweils Coach Detlef Ernst, also der vor eigenem Publikum in acht Heimspielen noch ungeschlagene Landesliga-Zweite – auf der anderen Seite die TSG Oberursel, der Ex-Oberligist, der aus den letzten elf Pflichtpartien optimale 22 Punkte geholt hatte und dadurch im Gesamtklassement auf Position drei kletterte. Ein Spitzenspiel, keine Frage. Und darüber hinaus ein Lokalderby, das volle Zuschauerränge garantierte. Das aus Petterweiler Sicht betrübliche Fazit nach 60 Minuten: Zu gewinnen gab es gestern Abend nichts, denn dazu präsentierte sich die Truppe von Oberursels Trainer Klaus Linder als viel zu stark bescherte dem TVP, der vor geschätzten 350 Zuschauern mit 26:30 (10:15) den kürzeren zog, die erste Heimniederlage der Saison 2009/2010.

Ein Schuss vor den Bug, der für Detlef Ernst eigenen Angaben zu Folge nicht unerwartet kam: “Auch wenn es mir in Petterweil keiner glauben will, aber mit Mannschaften wie Dotzheim, Wettenberg oder eben auch Oberursel können und dürfen wir uns eigentlich nicht messen. Die sind für uns zu stark“. Dass man in der Tabelle so weit vorne stehe, habe man, so der Petterweiler Übungsleiter, einer zweifellos überragenden Vorrunde zu verdanken, “aber wer geglaubt hat, dies lasse sich in der zweiten Halbserie so ohne Weiteres wiederholen, der wird umdenken müssen“.

Analysiert man die Darbietungen der Gelb-Schwarzen gegen die bärenstarke Taunustruppe, ist Ernsts Warnung, den Ball doch gefälligst flach zu halten und die Erwartungen an die eigenen Spieler nicht zu hoch zu schrauben, durchaus berechtigt: Die Gastgeber konnten dem Tabellennachbarn, der nunmehr mit dem TVP nach Punkten gleichgezogen hat (jeweils 26:10), jedenfalls nur 20 Minuten lang Paroli bieten, lagen bereits in dieser Phase kein einziges Mal vorne, und hatten später dann dem kombinationssicheren Angriffs-Spiel des ehemaligen Oberligisten wenig bis gar nichts entgegen zu setzen. Zudem gravierend: Oberursels Keeper Christoph Lehnert erwies sich durchgehend als Meister seines Fachs. Eine Eigenschaft, die man auf Petterweiler Seite weder Oliver Malkmus noch Ralf Hägele attestieren konnte.

“In Halbzeit eins haben wir kaum Gegenwehr geleistet. Das ärgert mich ungemein. Später wurde es zumindest phasenweise ein wenig besser. Eine echte Chance, die Partie nach dem bereits deutlichen Pausenrückstand noch zu kippen, hatten wir jedoch zu keinem Zeitpunkt“, zog Detlef Ernst schonungslos Bilanz, vergaß allerdings nicht, zwei Spieler seines Kaders ausdrücklich zu loben:“ Jens Ruppert und Thorsten Koch auf Halblinks haben ein gutes Spiel gemacht. Alle anderen eher nicht“.

Zum Spielfilm: Petterweil musste schon nach 13 Minuten einem Drei-Tore-Rückstand (4:7) hinterherlaufen, verstand es aber, bis zur 19. Minute durch Treffer von Jörn Olbrich (2) und Thorsten Koch zu egalisieren. Dann begann für die Mannen im gelb-schwarzen Dress der Anfang vom Ende: Weil der TVP vorne beste Gelegenheiten ungenutzt verstreichen ließ, Oberursel auf der anderen Seite jedoch nicht, zogen die Gäste mehr und mehr davon, führten 8:11 (23.), 9:13 (27.) und schließlich zur Pause 10:15. Ein imposanter Rückstand also für Detlef Ernst und seine Leute, Der maßgebliche Grund dafür: Fintenreichen TSG-Offensivaktionen wusste der TVP nur mit hausbackenen und leicht durchschaubaren Attacken zu begegnen.

Halbzeit zwei bot seitens der Gastgeber durchaus mehr Engagement – der Erfolg war freilich gleich null. Oberursel baute den ohnehin schon komfortablen Vorsprung weiter aus: Zunächst auf sieben Tore (15:22/43.), dann auf acht (18:26/51.) und sieben Minuten vor dem Abpfiff der gut leitenden Referees Draut (Gernsheim)/Schröder (Darmstadt) gar auf deren neun (18:27). Dass der TV Petterweil in der Schlussphase diesen Riesen-Rückstand enorm verringern konnte, spricht für die Moral der Truppe, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die 26:30-Niederlage, die schließlich zu Buche stand, die Überlegenheit der TSG Oberursel nur unzureichend rüberbringt.

TV Petterweil: Oliver Malkmus, Ralf Hägele; Jörn Olbrich (6), Kai Hardt, Alexander Koch, Alexander Kunkel, Thorsten Koch (3), Oliver Jung (1), Martin Peschke (7/5), Jens Ruppert (4), Maximilian Rautschka (2), Pierre Lange (2), Ralf Scherrer (1).

TSG Oberursel: Christoph Heidl, Lehnert; Schimanski (3), Hartmann (1/1), Patrick Heidl (5), Hitzel, Perl (3), Reiß (7), Weber (2), Barth (2), Sailler (2), Jankovic, Krmek (1), Marcel Heidl (4).

Schiedsrichter: Peter Draut (Gernsheim)/Andreas Schröder (Darmstadt).
Zeitstrafen: TVP 5 – TSG 6. –
Siebenmeter: TVP 7/5 – TSG 2/1. –
Zuschauer: 350. Uwe Born.


Wetterauer Zeitung vom Montag, 22. Februar 2010

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