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Der Spaß kommt, wenn du gewinnst

Petterweiler Trainer blickt nach tollem dritten Landesliga-Platz optimistisch nach vorne — Doch die Kirche soll im Dorf bleiben

(jms) Es war wieder eine Landesligasaison nach dem Geschmack des TV Petterweil. Mit dem dritten Platz in der Endabrechnung schafften es die Wetterauer erneut, in der oberen Tabellenhälfte zu landen. Der Vater des Erfolges ist Detlef Ernst. Der 52-jährige Handballfanatiker spricht im WZ-Interview auch über seine Ziele in der kommenden Runde.

Detlef Ernst, nach der Vizemeisterschaft in der Vorsaison konnten Sie nun den dritten Platz mit Ihrem Verein feiern. Sind Sie mit dieser Bilanz zufrieden?

Ernst: Mit dem Verlauf der abgelaufenen Saison bin ich überaus zufrieden. Ziehe ich kurz nach Abpfiff eine kleine Bilanz, so hat uns unsere Mannschaft in den meisten Phasen des Wettkampfjahres wieder einmal mit sehr viel Herzblut und tollen Spielen begeistert. Natürlich darf man bei der Analyse nicht den Fehler machen, die Topleistungen und Höhepunkte während einer Saison als Standard, einzufordern. Und glauben Sie mir, noch nicht einmal mir, der ich der schärfste Kritiker meiner Mannschaft bin, kommt das nur ansatzweise in den Sinn.

Was waren die Gründe für das erfolgreiche Abschneiden?

Ernst: Wir machen hier sehr viel über die Gemeinschaft im Team. Viele sind befreundet miteinander und unternehmen etwas zusammen. Jeder hat oder hatte schon einen intensiveren Bezug zum TV Petterweil, und so spielen wir ausschließlich mit Petterweiler Buben. Dadurch allein gewinnst Du natürlich keine Spiele. Aber die Jungs sind immer mit vollem Einsatz dabei, trainieren hart und legen damit den Grundstein, die Qualität im Wettkampf immer hoch zu halten. So eine Saison schweißt zusammen, und es entsteht ein sehr starker Charakter innerhalb der Mannschaft.

Ihre Mannschaft ist sehr erfahren. Gibt es Bestrebungen, eine Verjüngungskur durchzuführen?

Ernst: Natürlich bin ich bestrebt, das Team weiter zu verjüngen. Aber dazu müssen Jüngere da sein, die in die erste Mannschaft drängen. Die die da sind, spielen — wenngleich beispielsweise Felix Koffler und Sven Wassberg eigentlich von mir einen Tick zu früh in das kalte Wasser geworfen wurden. Beide machen ihre Sache allerdings hervorragend. Es ist nun einmal so bei uns, dass die erfahrenen Spieler mit ihrer individuellen Klasse den Jungen auf dem Weg ihrer Entwicklung sehr viel mitgeben und ihnen helfen, immer mehr Verantwortung zu übernehmen. Das sind Prozesse, die nicht von heute auf morgen stattfinden können.

Wie sehen Sie die Entwicklung Ihres Keepers Wassberg?

Ernst: Er hat sich sehr gut in die Mannschaft integriert, fühlt sich wohl bei uns und hat für seine erste Saison bei den Aktiven schon ein paar tolle Momente gehabt. Ein Torwart in seinem Alter muss natürlich noch viel lernen und vor allem Erfahrung sammeln. Er hat noch sehr viel Zeit für seine Entwicklung, und ich bin optimistisch, dass diese positiv verlaufen wird, wenn er weiterhin am Ball bleibt.

Gibt es schon neue Spieler, die Sie an Land gezogen haben?

Ernst: Nein die gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Aber einige Eigengewächse könnten in den nächsten ein bis zwei Jahren den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Jörn Olbrich und Felix Schneider wollen massiv kürzer treten und werden nur bei akutem Personalmangel zur Verfügung stehen. Bei Kai Hardt ist die Zukunft mehr als ungewiss nach seinem jetzt erst diagnostizierten Kreuzbandriss.

Wann starten Sie in die Vorbereitung?

Ernst: Nach der Saison ist vor der Saison. Ich befinde mich natürlich schon in der Planung der Vorbereitung auf die neue Saison. Neben einem 3er-Blitzturnier zu Hause und einem auswärtigen Trainingslager wird es nicht einfach werden, meine Trainingswünsche inhaltlich zu verwirklichen. Unsere Halle wird im zweiten Bauabschnitt über zwei Monate lang saniert und steht mir für eine gezielte Trainingssteuerung nicht zur Verfügung. Alle Verantwortlichen im Verein und der Stadt suchen jetzt nach Möglichkeiten. Start soll wie immer Mitte Juni sein, wobei wir auch in den Urlaubsmonaten Training anbieten, wenngleich auch in abgespeckter Form.

Wie sehen Sie Ihre persönliche Perspektive beim TVP?

Ernst: Meine vorrangigen Ziele sind es natürlich, die Mannschaft topfit vorzubereiten, weiter auszubilden und mit einem abwechslungsreichen Programm ständig zu begeistern. Ich denke, die Jungs haben immer noch Spaß an den Trainingsinhalten und der Methodik. Und der Spaß kommt dann natürlich, wenn alles umgesetzt wird und du gewinnst Ohne Siege ist es für mich schwer, Spaß zu haben. Aber ich habe auch persönliche Ziele und ein eigenes Langzeitprojekt. Ich möchte meinem Coaching im Wettkampf gern einen nach außen hin besser erscheinenden emotionalen Rahmen verleihen.

Ist Ihre Mannschaft in der Lage, auch einmal ganz oben um den Aufstieg mitzumischen?

Ernst: Letztes Jahr hat sie das ja eindrucksvoll gezeigt und sich in Wettenberg ein Endspiel erkämpft und erspielt. Aber ehrlich gesagt glaube ich das in naher Zukunft nicht wirklich. Wir sind jetzt dreimal Dritter und einmal Vizemeister geworden. Ich denke, das ist eine ganz tolle Bilanz für meine Jungs. Akteure wie Martin Peschke, Jörn Olbrich und auch Felix Schneider begleite ich sportlich schon eine Weile. Und sie sind nicht nur starke Charaktere, sondern Ausnahmehandballer, die ihre Sportart leben und lieben. Ich war und bin nach wie vor der Meinung, dass es eine Herausforderung für uns ist, in dieser Landesliga zu bestehen. Für mich persönlich ist die Oberliga allemal reizvoll, aber sportlich wie finanziell unattraktiv. Zumal ich nicht glaube, dass ein Großteil unseres Kaders den Anforderungen Rechnung tragen könnte. Wir sollten gerade im Hinblick auf die nächste Saison die Kirche im Dorf lassen.


Wetterauer Zeitung vom Samstag, 12. Mai 2012

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