Trotz der »Riesenenttäuschung« stolz auf die Saison

TV Petterweil geht beim neuen Meister in Wettenberg mit 19:30 unter - Detlef Ernst: »Wir waren dem Gegner nicht gewachsen

Es dauerte einen Moment, bis Detlef Ernst emotional heruntergekommen war. Wild gestikulierend und jederzeit auf Höchsttemperatur, pushte der Powermann an der Seitenlinie seine Spieler. Er schrie, gestikulierte und gab immer wieder Anweisungen. Doch am Ende war es die HSG Wettenberg, die vor über 600 enthusiastischen Fans in der überaus stimmungsvollen Sporthalle der Gesamtschule Gleiberger Land in Launsbach einen verdienten 30:19 (12:10)-Erfolg erzielte und sich damit im Topduell der Liga den Titel sicherte. »Natürlich ist die Enttäuschung direkt nach dem Spiel riesengroß«, meinte Jens Ruppert: »Am Ende ist der gegnerische Sieg aber dann doch ein bisschen deutlich ausgefallen.« Wohl wahr, zumal der TVP nach einer schlaftrunkenen Anfangsphase drauf und dran war, die Partie zu seinen Gunsten zu drehen.

Ganz zur Freude der vielen Fans, die in schwarz-gelber Fankleidung, mit Trommeln und Gesängen ihren Beitrag zu einem gelungenen Handballfest leisteten. »Wir sind trotzdem stolz auf diese tolle Mannschaft«, meinte ein besonders frenetischer Petterweiler Anhänger, der zuvor per Megaphon die Marschroute im Fanblock vorgab.

Auf dem Parkett in der schmuckvollen Halle im Wettenberger Ortsteil war es auf Petterweiler Seite vor allem Martin Peschke, der sein Team mit einem Dreierpack aus dem Dornröschenschlaf holte. Denn nachdem der trickreiche Niclas Puhl für die dynamischeren Wettenberger auf 6:12 (27.) verkürzt hatte, nahm der Führungsspieler das Heft des Handelns in die eigene Hand. Peschke verkürzte auf 9:12, und Rupperts Tor zum 10:12-Pausenstand ließ bei den Schwarz- Gelben die Hoffnung wieder aufleben.

Ernsts Pausen-Ansprache dürfte ungeheuer motivierend gewesen sein. Jedenfalls sorgten Kunkels Treffer von Halbrechts und der abgefälschte Wurf von Tim Weis mitten ins Wettenberger Tor dafür, dass Petterweil in der 33. Minute beim 12:12 wieder voll auf Kurs war. Zwischendrin hatte HSG-Rückraum-As Kaufmann einen Siebenmeter vergeben. »Ich denke, dass das ein wesentlicher Knackpunkt war, dass wir nach unserem Ausgleichstreffer nicht mehr getroffen hatten«, resümierte Ruppert, der mit seiner Einschätzung ins Schwarze traf.

Das grandiose HSG-Torwart-Duo Christian Büttner und Martin Risse nagelte das Tor dicht — selbst die allerbesten Chancen griffen sich die erfahrenen und intelligent spielenden Torsteher. Nicht ganz so glücklich verlief der Tag dagegen für Helmut Michalke, der nicht gänzlich an sein hervorragendes Potenzial herankam und in vielen Situation von seinen eigenen Abwehrspielern im Stich gelassen wurde.

Die Kombination aus diesen beiden Umständen hatten zur Folge, dass Wettenberg binnen fünf Minuten den alten Abstand wieder herstellte. Michael Kneissl netzte von Halblinks zum 14:12 (35.) ein, und Tobias Henkel ließ die Halle bei seinem Tor zum 16:12 (35.) richtig hochkochen. Genau diese wenigen Minuten waren es, die Petterweil um Kopf und Kragen brachten. Als Jonas Leib für die Mittelhessen gar das 21:14 (16.) erzielte, knallte Ernst mit voller Vehemenz die grüne »Time-Out-Karte« auf den Tisch. Großer Jubel in der Halle und, der Gesang »Oh, wie ist das schön« waren die Folge. Natürlich war Petterweil jetzt nicht mehr zu retten. Für Ruppert Gelegenheit, sich zu besinnen und einen beachtlich realistischen Schluss aus der klaren Pleite zu ziehen: »Wir haben gegen den verdienten Meister verloren und sicher nicht unser bestes Spiel gemacht. Aber ich denke, wir haben trotzdem eine tolle Saison gespielt. Nun wollen wir alles daran setzen, am letzten Spieltag den zweiten Platz zu sichern.«

Auch Coach Ernst sah dies so, würdigte den Gegner mit Respekt und bewahrte bezüglich der eigenen Situation einen kühlen Kopf nach hitzigen 60 Minuten: »Wir waren dem Gegner heute nicht gewachsen und müssen das anerkennen: In der Oberliga wären solche Spielverläufe wohl jede Woche möglich. Deswegen ist das schon in Ordnung.«

Für den TVP geht es nun vor allem auch darum, im letzten Saisonspiel zu Hause gegen Eddersheim den Platz vor Erzrivale Ober-Eschbach zu wahren. »Das ist für uns ganz wichtig«, blickt Ernst, der sicher auch in der kommenden Woche sehr enthusiastisch seiner Trainertätigkeit nachgehen wird, bereits voraus.

HSG Wettenberg: Büttner, Risse; Niclas Puhl (3), Moritz Leib (3), Michael Kneissl (2), Kaplan, Sascha Puhl (8), Stephan (1), Kaufmann (7/2), Henke (3) Jonas Leib, Sebastian Kneissl (1), Weber.

TV Petterweil: Michalke, Malkmus; 0lbrich (2), Weis (1), Hardt (2), Alexander Koch, Scherrer, Kunkel (3), Thorsten Koch, Peschke (5/2), Ruppert (3), Schneider (1), Rautschka (1), Lange (1).

Im Stenogramm:
Schiedsrichter: Finger/ Friedel.
Zuschauer: 600.
Zeitstrafen: 8:12 Minuten.
Siebenmeter: 4/3:3/2. Jan Martin Strasheim


Wetterauer Zeitung vom Montag, 09. Mai 2011

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